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Positionspapier Luxemburg-1

Zum Thema Jagd

a) Ist Jagd notwendig?

Auch ohne Wolf, Bär und Luchs ist es denkbar, daß die Wildbestände sich über kurz oder lang auch ohne Jagd irgendwie regulieren. Die Natur würde die Überpopulationen, die uns bis dahin in unserer Kulturlandschaft katastrophale Probleme bescheren würden, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mit tödlichen Krankheiten oder Seuchen regeln. Wäre diese Perspektive wünschenswerter als eine nachhaltig orientierte Jagd, die uns hochwertige Lebensmittel verschafft und darüber hinaus für, zwar scheue, aber gesunde Wildbestände sorgt? Wohl kaum, weder aus tierschützerischer, noch aus ernährungsorientierter Sicht.

Über das warum der jagdlichen Tätigkeit ist schon viel Tinte geflossen. Aber jemand der keinen Bezug zur Jagd hat, wird wohl nie davon begeistert sein, daß andere Menschen eine regelrechte Jagdpassion entwickeln, sei es beruflich oder während der Freizeit.

b) Das Problem mit dem Töten

Es  ist absolut verständlich, daß Menschen Probleme damit haben, daß überhaupt Tiere getötet werden, sei es bei der Jagd, in autorisierten Metzgereien, in Schlachthäusern oder bei privaten Fleischverarbeitern. Wieso sind wir aber unfähig mit etwas Toleranz und Verständnis den Überzeugungen und Aktivitäten anderer zu begegnen. Fleischkonsumierende Menschen, die selbst nicht schlachten, müßten eigentlich einverstanden sein, daß andere dies für sie übernehmen (ob das während der Freizeit oder im Beruf stattfindet, dürfte eigentlich unerheblich sein).

Wir respektieren die Anschauungen der Tierschützer, Vegetarier, Veganer und Jagdgegner schlechthin. Alle sollen ihren Überzeugungen nach leben, niemand wird gezwungen, weder zu jagen, noch zu schlachten, noch tierische Produkte zu verbrauchen. Jagdgegner sollten aber auch akzeptieren, daß andere Menschen anders denken und leben.

Zwischen den Gegnern und Befürwortern kann es kaum einen Kompromiss geben. Folglich dürfte nur eine objektive, korrekte politische und juristische Entscheidung die Richtung bestimmen; das neue Jagdgesetz für Luxemburg hat immerhin den Instanzenweg schon praktisch durchlaufen.

c) Will die Mehrheit die Jagd abschaffen?

Daß Vegetarier, Veganer und Tierschützer sich für ihre Sache mächtig ins Zeug legen, ist normal und gehört zur demokratischen Äußerungsfreiheit. Ist es allerdings realistisch, die Menschheit in Vegetarier oder Veganer zwangsverwandeln zu wollen? Es wird wieder fanatisch nach radikalen Maßnahmen, Verbot, Abschaffung geschrien, von Jagdgegnern aus den verschiedensten Lagern! Ist die Jagd einem immer wiederkehrenden Zyklus von mehr oder weniger heftigen Anfeindungen ausgesetzt, die im jetzigen Zyklus entschieden zu weit gehen? Werden nicht nach einer gewissen Zeit manche Vegetarier und Veganer, wenigstens zvorübergehend, wieder ‘rückfällig’ in ihren Essverhalten? (Bekommen übrigens auch deren Hunde und Katzen fleischloses Futter verabreicht?)

Die Vegetarier stellen, je nach Statistik 3-9% unserer Bevölkerung dar, die Veganer liegen schätzungsweise unter 1% (letztere lehnen den Konsum jedes tierischen Produktes ab, also neben Fleisch auch Eier, Michprodukte, Honig, Leder usw.). Der Anteil der Jagdgegner, die weder Vegetarier, noch Veganer sind und sich auch nicht unbedingt zu den Tierschützern zählen, ist schwieriger einzuschätzen. Auch wenn die Jägerschaft hierzulande nur etwa 0,4% der Bevölkerung ausmacht, darf man nicht ausser Acht lassen, dass der Anteil der Konsumenten ihrer Produkte jedoch erstaunlich hoch ist.

Die Jagdgegner sind überzeugt, die Mehrheit der nicht jagenden Bevölkerung hinter sich zu haben und folglich müsste die Jagd abgeschafft werden! Was würde man nicht noch alles abschaffen wollen, wenn so trivial geschlußfolgert wird??

d) Der Wildkonsum in Luxemburg

In Luxemburg kommen jährlich ungefähr 500 Tonnen bestes Wildfleisch aus Luxemburger Wäldern auf den Markt. Dies genügt jedoch bei weitem nicht, die Nachfrage zu befriedigen, sondern mindestens die doppelte Menge wird noch importiert. Daraus kann man wohl kaum schließen, dass die Mehrheit der Bevölkerung die Produkte der Jagd ablehnt. Wenn ein 500000 Seelenstaat jährlich ungefähr 1000 Tonnen Wildfleisch konsumiert, sind das 2 kg pro Kopf pro Jahr, d.h. 2,27% des Gesamtfleischverbrauchs von 88 kg pro Kopf pro Jahr. Da es hierzulande Gepflogenheit ist, Wildfleisch hauptsächlich während der Wintermonate zu verspeisen, macht das fast 10% des Winter-Fleischkonsums aus.

Den Fleischkonsum an sich zu verteufeln wäre abwegig. Fakt ist aber, daß heutzutage der Pro-Kopf-Fleischverbrauch im Durchschnitt in der westlichen Welt übertrieben hoch ist und sich in einem halben Jahrzehnt verdoppelt hat. Ein Paradox zwischen dem, anscheinend weit verbreiteten Unverständnis, Tiere zu töten und dem überhöhten Fleischkonsum. Ein ausgewogenes Konsumgleichgewicht von Fleisch, Fisch und pflanzlicher Nahrung wäre zweifellos vernünftiger und gesünder. Der Massenfleischkonsum von heute bringt die zum Teil grausamen und unsachgemäße Massentierhaltungen und -transporte und den vielerorts respektlosen Umgang mit diesen Tieren mit sich.

Erwiesenermaßen produzieren Tiere (Lachs, Rinder…), die in Züchtereien überwiegend mit künstlicher Nahrung gefüttert werden die, sich auf den menschlichen Organismus negativ auswirkenden schlechten Fettsäuren, während Tiere, die von einem natürlichen Nahrungsangebot leben, die guten Omega3 Fettsäuren hervorbringen. Wildfleisch ist für gesunde, fettarme Nahrung ein Paradebeispiel, vorausgesetzt natürlich, daß kein Kraftfutter ans Wild verfüttert wird.

e) Was ist zeitgemäß?

Jagd ist nicht mehr zeitgemäß und hat nichts mehr im 21. Jahrhundert verloren!?

Und warum nicht? Diese abgedroschene Floskel ist absurd! Warum sollte der Mensch das reichhaltige und gesunde Nahrungspotential, das die Natur an Wild bietet nicht nachhaltig nutzen können? Wild ist in unseren Gegenden zahlreicher vorhanden als vor einem Jahrhundert. Die Ursachen hierzu sind mannigfaltig und die übertriebene Fütterung mancher verantwortungsloser Jäger ist nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.

Die Waldnutzung ist vielfältiger geworden: die klassischen Erholungssuchenden (Spaziergänger, Wanderer) teilen sich längst Wald und Flur nicht nur mit Joggern. Hinzu gesellt haben sich in Staats-, Gemeinde- und Privatwald Nordic Walker, Reiter,  Mountainbikefahrer (unter Letzteren manch rüchsichtsloser Rowdy) und zum Teil undisziplinierte Hundebesitzer. Neben Pilzsuchern, Waldarbeitern, Förstern sind da auch noch die Jäger. Darüber hinaus finden noch gelentlich lokale, publikumsträchtige Motocross- und Querfeldeinrennen, sowie Nachtrallyes statt.

Gegen diese vielfältige ‘zeitgemäße’ Nutzung ist grundsätzlich nichts ein zu wenden. Aber es müßte zumindest genauso zeitgemäß sein, all diese Waldaktivitäten mit gegenseitigem Respekt  aus zu üben. Aber hier scheint manches im Argen zu liegen. Respekt und Rücksicht sind für viele nicht mehr zeitgemäß, unflätiges Auftreten umso mehr. Und dies gilt genauso für die Jägerschaft, wie für andere. Die Maxime, daß die Freiheit eines jeden dort aufhört, wo die des anderen beginnt, wird überall aufs Schändlichste mit Füßen getreten. Aber ausschließlich die Jagd scheint der nicht mehr zeitgemäße, auszumerzende, unannehmbare Störfaktor und Sündenbock zu sein.

f) Wieso ist hauptsächlich die Jagd im Fadenkreuz?

Wenn die Jäger zur Zielscheibe geworden sind, dann müssten eigentlich in gleichem Ausmaß auch andere Aktivitäten im Visier sein.Unsere Kollegen, die Hobbyfischer, haben scheinbar bei den Militanten momentan Schonzeit. Wieso eigentlich? Töten oder quälen diese etwa die Fische nicht in den Augen der Tierschützer? Ach ja, Fische sind ja nicht wie Bambis, sind kalt und können nicht vor Schmerz schreien. Als Zumutung ist es an zu sehen, dass in verschiedenen Vegetarier-Restaurants sogar Fisch angeboten wird.

Kleintierzüchter, leider auch eine schwindende Minderheit in unserer fortschreitenden Verstädterung, üben ihre Tätigkeit ebenfalls in der Freizeit aus und töten schlußendlich ihre mit viel Können, Wissen, Liebe und Arbeit gezüchteten Tiere trotzdem. Die Züchter werden deswegen aber (noch) nicht diffamiert, und ihre Produkte werden gerne verspeist. Hier sind die Militanten zurückhaltender. Ist dies so weil hier normalerweise keine Schußwaffen im Spiel sind?

Fleischproduzenten, Metzgereien und andere fleischverarbeitende Betriebe werden ja auch (noch) nicht in der Art angegriffen, wie es die Jägerschaft mittlerweile längst gewohnt ist. Hier sind natürlich professionnelle Aktivitäten angesprochen, aber macht das einen Unterschied?

g) Abschaffung der Freizeitjagd und Einführung einer professionnellen Jagd?

Daß mit einer noch zu definierenden Zahl von, vom Staat besoldeten Profi-Jägern, das Thema Freizeitjagd erledigt wäre, ist fraglich. Irgendwann werden größere regionale Eingriffe unvermeidbar sein. Könnten die Handvoll Profis dies bewerkstelligen, ohne punktuell auf Freizeitjäger zurück zu greifen, denen dann natürlich die notwendige aber abhanden gekommene Praxis vorgeworfen würde?

Wieso wird eigentlich die Freizeitjagd dermaßen angegriffen und diskriminiert? Haben nicht auch bei anderen Freizeitaktivitäten Menschen bewiesen, daß sie quasi professionnelle Arbeit leisten können, respektiv sich ein ansehnliches Wissen und Können bei ihrem Hobby aneigneten? Bei der Jagd ist dieses Thema verständlicherweise heikler, weil Schußwaffen im Spiel sind. Zur regelmäßigen Prüfung der Schußfertigkeit der Jäger wäre in der Tat noch Einiges zu sagen.

h) Haben Tiere Rechte? Haben Menschen das Recht Tiere zu töten?

Viele Tierschützer fragen sich, woher wir Menschen uns eigentlich das Recht hernehmen, Tiere zu töten. Hier haben wir es mit einem  komplexen Thema zu tun, mit philosophischen und juristischen Aspekten (siehe Leserbrief von Pr. Hubert Hausemer im LW vom 08.12.2010). Wollen die selbst ernannten Tierrechtler die ganze Tierwelt über einen Kamm scheren? Kann man sämtlichen Tierarten und -gattungen, zu Land, zu Wasser und in der Luft, die gleichen Rechte zuschreiben, von der plagenden Stechmücke über die lustige Ziege bis hin zum gefährlichen Killerwal? Dies kann zu skurilen Absurditäten führen: wo fängt das Lebewesen an? Beim Einzeller? Sind Pflanzen nicht auch Lebewesen mit Rechten? Gibt es Rechte ohne Pflichten? Raubtiere nehmen sich auch mal das Recht Menschen zu reissen und zu verspeisen…….

Wieso soll es Unrechtens sein, Wildtiere um ihres hochwertigen Wildbretes wegen nachhaltig zu nutzen? Immerhin haben diese Tiere bis zu ihrem Tod frei und artgerecht gelebt. Das kann man wohl nur sehr eingeschränkt von Schlachtvieh behaupten. Wer wäre überhaupt noch bereit Rinder, Schweine, Geflügel, Ziegen, Schafe, Kaninchen usw zu halten, wenn man deren Fleisch und Produkte weder konsumieren, noch verkaufen könnte? Müsste man Geburtenregelung und Altersheime für die noch verbleibenden Haustiere einführen?

i) Das Hearing in der Abgeordnetenkammer

2007 hat in der Abgeordnetenkammer ein lobenswertes und viel beachtetes Hearing über die Jagd stattgefunden. 26 Vereinigungen kamen zu Wort, welche sich nach schriftlich eingereichten Stellungnahmen, zusätzlich zu bestimmten Themen der Jagd ausdrücken konnten. Danach war eigentlich klar, daß eine vernünftig geregelte Jagd von einer breiten Mehrheit der anwesenden Vertretungen befürwortet wird. Verschiedene Antijagd-Extremisten scheinen vergessen zu haben, daß sie sich isolierten und sich teilweise selbst durch unhaltbare und verleumderische Behauptungen ins Aus manövriert hatten. Dieselben Leute melden sich jetzt wieder lauthals zu Wort.

j) Spaßfaktor bei der Jagd

Spaß am Töten? Ob das die Motivation mancher Jäger ist, sei einmal dahingestellt. Aber das gesamte Tätigkeitsspektrum des Jägers soll ihm selbstverständlich Spaß machen, denn er kann, wie überall, sein Handwerk nur gut ausführen, wenn er es mit Freude, Spaß und Überzeugung tut. Auch beim gut angesetzten Schuß darf Freude erlaubt sein.

k) Die Jäger, eine elitäre Truppe von Knallköpfen und Barbaren?

Jagd kann in der Tat unter Umständen ein sehr kostspielges Unterfangen für so manchen Jagdpächter werden, aber glücklicherweise sind zumindest hier zu Lande Feudaljagden passé. Wenn es auch einige Betuchte geben mag, die alles daran setzen die besten Hirschreviere unter sich zu aufzuteilen, so bietet die Mindestgröße der Jagdlose (aktuell 250 ha; nach dem neuen Jagdgesetz 400 ha)  doch vielen anderen Interessenten mit etwas bescheidener Geldbörse eine Pachtgelegenheit.

Ein Argument für die Beibehaltung kleinerer Lose (es bestand die, anfangs von uns unterstützte Versuchung, zusammenhängende Waldmassive in größeren Losen zu vereinen) ist, daß gerade auf kleineren Losen weniger Wildschaden verursacht wird.

Bei Gesellschaftsjagden (Treibjagden) kann man immer wieder feststellen, daß erfreulicherweise Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten gemeinsam dieser Aktivität frönen. Es ist auch nicht zu leugnen, daß die überragende Mehrheit der Jagdpächter qualifizierte Leute sind, die ihre Jagdlose mit Verantwortung, Geschick, Wissen und Respekt verwalten, dies mit Unterstützung assoziierter Jäger.

l) Ökojagd?

Was unterscheidet eigentlich die Ökojagd von der traditionellen Jagd? Um eins vorweg zu sagen: auch Ökojäger töten Wildtiere und unterstützen die Treibjagd als effiziente Jagdart, was uns bei den Skeptikern keinen Deut beliebter macht. Was macht den Unterschied dann aus? Kurz die wichtigsten Punkte:

1. die Jagd hat eine naturschützerische Funktion und muß eine wald- und biotopverträgliche Schalenwildpopulation zum Ziel haben.

2. Punkt 1 kann nur erreichbar sein, wenn effiziente, den Regeln entsprechende, Treibjagden auch in Zukunft vorrangig durchgeführt werden

3. Der Jäger erlegt nachhaltig nur das, was auch sinnvoll genutzt werden kann

4. Eine tropheenorientierte Jagd ist nicht mehr zeitgemäß

5. Promovierung bleifreier Munition

Zu bemerken sei, daß unsere Vereinigung sich nie als Konkurrenz zur FSHCL verstand, jedoch als Bewegung, die eine sich wandelnde, ‘zeitgemäße’, ökologisch orientierte Jagd zu promovieren sucht.

Zum Schluß: glücklich muss ein Land sein, in dem kaum ein Thema die Gemüter so zu bewegen scheint, wie die Jagd.

Erny Rayeck

Pour une chasse écologique asbl

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